Toponomastik

Toponomastik

Südtirol soll anderen gewähren, was man für sich selbst fordert

Im ladinischen Fascia (Fasstal) wurden neue Wege beschritten: Die Toponomastik ist weitgehend ladinisch. Dieser offiziellen Anerkennung sind aber nicht Jahre der Agitation vorausgegangen, sondern Jahre der wissenschaftlichen Arbeit: Eine korrekte Toponomastik ist eine kulturelle und philologische Angelegenheit, keine politische. Sonderbar ist die Südtiroler Sicht auf die Errungenschaften in Fascia; man hat den Eindruck, dass es nur um die Ausmerzung des Italienischen geht. Es geht aber um den Respekt der Minderheit, es geht um das Recht aller Sprachgruppen, dass in ihrem Gebiet ihre Namen offizielle Gültigkeit haben. Und da hat Südtirol selbst sehr viel nachzuholen.

Während man auf politischer mit auf medialer Ebene die Toponomastikfrage behandelt und die Missachtungen des italienischen Nationalismus anprangert, respektiert man in den meisten Fällen die Toponomastik der anderen nicht: Die ladinischen Ortsnamen finden kaum Verwendung. Viele Landesämter kennen nur die deutschen und italienischen Bezeichnungen, die öffentlichen Verkehrsmittel, die Verkehrsberichte, das Landespresseamt, auch die Straßenschilder außerhalb Ladiniens kennen die ladinischen Ortsnamen offenbar nicht. Hier ist genau jenes Verhalten anzutreffen, das man so harsch kritisiert, wenn es von den Italienern kommt.

Südtirol könnte und sollte dem Fassaner Beispiel folgen: in den ladinischen Tälern kommt die ladinische Toponomastik zum Tragen. Keine sinnlosen Übersetzungen, keine Verhunzungen – weder italienisch noch deutsch. Würde Südtirol mit diesem guten Beispiel vorangehen, hätte man den Beleg, dass es anders als jetzt auch geht. Würde Südtirol mit gutem Beispiel vorangehen, hätte man auch die Legitimation, gleiches für sich einzulösen. Südtirol soll also endlich die ladinische Toponomastik respektieren; auch sollte Südtirol auf deutsche Verhunzungen und sinnlose Übersetzungen verzichten, sie sind nicht besser als die italienischen; und das Recht der Ladiner auf die offizielle Verwendung ihrer Orts- und Flurnamen ist nicht weniger wert als dieses Recht auf deutscher Seite.

Es ist diese ständige, sture Ungleichbehandlung, die ein schiefes Licht wirft auf diese wie so viele andere Bestrebungen: Wer für sich selbst Rechte fordert, muss sie auch den anderen gewähren. In Südtirol ist es üblich, für die Deutschen zu fordern und im gleichen Atemzug die Ladiner zu übersehen. Wer nur für sich selbst fordert, den anderen aber diese Recht vorenthält, betreibt nicht Minderheitenschutz, sondern Chauvinismus. Minderheitenrechte gelten für alle, nicht nur für die Deutschen.

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10 Antworten zu „Toponomastik“

  1. Gorgias sagt:

    Ich stimme dir voll zu.

    Es sollten nur jene Ortsnamen verwendet werden, die in den drei Landessprachen historisch gewachsen sind und die ladinischen sollten auch außerhalb der ladinischen Täler verwendet werden, und zwar im ganzen Land.

    Daß man ladinische Ortsnamen nur auf Ortstafeln in ladinischen Tälern findet, kommt der Einrichtung einer Art Kulturreservat gleich, wo man den Ladinern halt zugesteht ihre Kultur in einem begrenzten Raum offen zu leben und wo außerhalb man sich gefälligst anzupassen hat.

    Daß Kollmann ladinische Ortsnamen nur innerhalt Ladinien zulassen will zeigt den Sprachnationalismus seiner Partei, der sich hinter leere Floskeln von Minderheitenrechte und historische Ortsnamen als Kulturgüter versteckt.

    Zu kritisieren sind aber auch die Äußerungen von Michaela Verena Abate, die die erfunden Ortsnamen neben den historischen gleichwertig nebeneinander stehen lassen will. Das ist eine kulturrelativistischer und nihilistische Entwertung der drei Sprachgruppen und ihrer Traditionen.

  2. ladinia sagt:

    nicht nur das Reservat. eben auch ein sehr deutlicher Sprachnationalismus und Sprachimperialismus.
    während die ladinischen Toponyme für nichtladinische Ortschaften nicht gelten (da gilt der Glaubenssatz des „historisch gewachsenen“ gar nicht), übersät CK Ladinien mit deutschen Übersetzungen bis in den letzten Winkel. „zweisprachig ist nicht zweinamig“ heißt es sonst, doch das gilt für Ladinien ja nicht, da wird jedes Joch und jeder kleine Almsee auch deutsch angeführt.
    Ladinische und italienische Exonyme nein, wehe, doch die deutschen Exonyme feiern dafür wahre Orgien. Italienische Toponyme dürfen nicht flächendeckend angewandt werden, doch die deutschen Toponyme werden sehr wohl flächendeckend angewandt (und notfalls neu erfunden). sie tun also genau das, was sie bei den Italiern als „Faschismus“ bezeichnen.

    http://www.gfbv.it/3dossier/ladin/prontuario.html

    Im übrigen ist dieses „historisch gewachsen“ ein sehr unwissenschaftliches Argument. Ortsnamen wachsen nicht, sie werden alle irgendwann erfunden.

  3. sosigis sagt:

    Das ist lächerlich, ich empfehle dir die Broschüre von Christian Kollmann zum Thema „So spannend können Namen sein“ zu lesen.

    Die Namen wurden nicht erfunden sondern sind gewachsen weil es Hintergründe für die Bezeichnungen gibt.

    Wo werden deutsche Namen „neu erfunden“? Meiner Meinung nach muss in Ladinien nicht jeder Ort auch auf Deutsch angeführt werden. Niemand hat eine Germanisierung Ladiniens im Sinn, es ist schön wenn die Ladiner eine eigene Kultur haben und diese auch erhalten!

    Warum nicht alle Ortsnamen in Südtirol ladinisch aufgeführt werden ist einfach zu erklären, in den meisten Gemeinden leben keine Ladiner deshalb ist es nicht sehr sinnvoll alles auf ladinisch anzuschreiben.

    Die deutschen Dörfer werden Deutsch beschildert, die ladinischen Ladinisch, wo ist das Problem? Die Städte in denen viele Italiener leben werden zweisprachig beschildert. Dann sind alle zufrieden, ich weis nicht was es einem Italiener bringt wenn ein Joch im Sarntal auf italienisch ausgewiesen wird, das ist Sprachimperialismus!

  4. ladinia sagt:

    falsch, du bist lächerlich.
    DU liest Buchstaben, aber nicht Text.
    Und Du hast wieder eine Gelegenheit versäumt, Dich vom „Sprachimperialismus“ zu disetanzieren.

    „Die deutschen Dörfer werden Deutsch beschil
    dert, die ladinischen Ladinisch, wo ist das Problem? “

    Nein, der Vorschlag Eurer Partei sieht ganz anders aus. Selbst Almseen mit deutschem Namen, aber wehe ein italienischer Name auf einer Alm in deutschsprachigem Gebiet, auch die ladinischen Exonyme werden nicht geduldet.

    „Ich weis nicht was es einem Italiener bringt wenn ein Joch im Sarntal auf italienisch ausgewiesen wird, das ist Sprachimperialismus!“

    Quando il dito mostra la luna, l’imbecille guarda il dito: das habe ich nie gefordert, ich habe nur auf den kolossalen Widerspruch bei den deutschen Nationalisten hingewiesen.

    Und wenn keine italienischen Namen im Sarntal – warum dann jedes Joch und jeder Almesee in Ladinien auch deutsch?

    Aber die Theorien von „flächendeckend deutsch“ zeigen sich eben auch im Toponomastik-Vorschlag.

  5. sosigis sagt:

    Wie gesagt, ich habe nichts dagegen wenn Orte in Ladinien nur in ladinisch beschriftet werden!

    Unser Vorschlag sollte dies miteinbeziehen, da bin ich voll deiner Meinung. Werde mich auch dafür einsetzen, dass die ladinische Toponomastik erhalten bleibt und es keine Germanisierungsversuche gibt. Ich bin nämlich Ethnopluralist und finde es gut, wenn in Ladinien die ladinische Sprache gebraucht wird. Es müsste aber auch Aufgabe der ladinischen Tourismusverbände sein die Region mit Ladinia zu bewerben und nicht mit „Italia“, das kannst du wohl kaum uns bösen Deutschen in die Schuhe schieben.

    Wenn Ladiner beim Sport die Trikolore schwenken anstatt der ladinischen oder der Tiroler Fahne dann solltest du dir Gedanken machen von wo aus die Gefahr für die ladinische Identität und Kultur wirklich ausgeht, von der SÜD-TIROLER FREIHEIT nämlich sicher nicht…

  6. ladinia sagt:

    “ Wie gesagt, ich habe nichts dagegen wenn Orte in Ladinien nur in ladinisch beschriftet werden!“

    Freut mich, der Vorschlag Deiner Partei ist bisher kein ausgewogener.
    Mir geht es nicht um „nur Ladinisch“, es gehet um die Kriterien, und die sind bisher widersprüchlich. Wenn deutsche Exonyme gelten, müssen auch die ladinischen gelten.

    Dass Ladiner selbst dann auf ihre Namen sofort verzichten, wenn ein „Fremder“ daherkommt, lehne ich genauso ab.

  7. sosigis sagt:

    Leider wird Ladinien oft vergessen wenn es um die Sprachproblematik und Toponomastik in Südtirol geht, natürlich muss man das ändern und auch die ladinischen Exonyme in Ladinien müssen gleichbehandelt werden wie die deutschen in den hauptsächlich deutschen Gebieten.

    Alles andere würde Unrecht nur mit Unrecht vergelten, das kann wirklich nicht die Lösung sein.

  8. ladinia sagt:

    ob oder wie sehr man ladinische Exonyme offiziell festschreibt, ist eine Frage, die man diskutieren kann, nur: es müssen die gleichen Kriterien gelten wie für die anderen Exonyme.

  9. Gorgias sagt:

    Die Südtiroler Freiheit ist in Wirklichkeit Minderheitenfeindlich und sieht sich selbst auch nicht als eine Minderheitenpartei, sondern sie denkt zu einer deutschen Mehrheit in einem deutschen Staat zu gehören – im Moment sind halt nur die Grenzen falsch gezogen.

    Die Südtiroler Freiheit stellt sich gegen dem Geist Europas und ist nationalistisch eingestellt. Sie ist natürlich gegen den italienischen Nationalismus, weil dieser gegen dem deutschen spricht.

    Das Argument der historischen Ortsnamen ist nur ein Mittel fremde erfundene Namen zu entfernen, wenn es aber um deutsche erfundene Namen geht ist es ihnen relativ wurscht und treiben ein anderes Spiel.

    Würde das Argument der historischen Ortsnamen wirklich gelten, würde man sich dafür einsetzen, daß die historischen Ortsnamen der drei autochtonen Sprachgruppen im ganzen Land eingeführt würden.

    Es muss ja nicht jede Beschriftung dreisprachig sein, aber die Einführung von historisch Gewachsenen ladinischen Ortsnamen in ganz Südtirol, würde zeigen daß man sich für den Pluralismus in Europa bekennen ohne die eigene Identität verraten. Daß man nicht nur die Autentizität der eigenen Tradition, Kultur und Geschichte schätzt, sondern auch der der anderen.

    Warum sollte es einem deutschen stören wenn der ladinische Name auf der Ortstafel steht? Für Ladiner wäre es ein Zeichen der Anerkennung, schließlich Arbeiten und Leben viele nicht in den Einzugsgebieten wo sie eine lokale Mehrheit bilden. Warum sollen sie sich nur dort zu Hause fühlen dürfen wenn Südtirol ihre Heimat ist?

  10. ladinia sagt:

    ja, Analyse und Kommentar sind zutreffend.

    Die ff hat heute einen kleinen Artikel: die ach so antifaschistische SF hat sich die Broschüre zu Faschismus und Nationalsozialismus von Peter Kienesberger machen lassen …

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