ladinisch beten verboten

Bischof von Belluno Giuseppe Andrich in den Fußstapfen des Faschismus

Das muss man sich zunächst einmal vorstellen, das muss man erst einmal verstehen, begreifen, nachvollziehen, was auch immer:
Wir schreiben das Jahr 2008 unseres Herrn: Ein Bischof untersagt es den Gläubigen, bei einer Messfeier ein Lied in ihrer Muttersprache zu singen.

Geschehen in Fodom, in den ersten Augusttagen (des Jahres 2008 eben, nicht 1928); der Bischof der Diozöse / Provinz Giuseppe Andrich untersagte dem Coro Fodom, das „Vater unser / Nost Pere al ciel“ auf Ladinisch zu singen. Pikantes Detail: Dieses Verbot ließ er gerade auf dem Col di Lana bei einer Gedenkveranstaltung zum Ende des 1. Weltkrieges – ein Krieg, in dem die ladinische Bevölkerung von Fodom zwischen die Fronten geriet und viele unschuldige Opfer zu beklagen hatte.

Die Begründung ist so banal wie gelogen. Der Bischof hatte als Grund angegeben, die Sprache solle offiziell anerkannt sein. Ist die Sprache längst, so durch das staatliche Minderheitenschutzgesetz; vor allem aber durch die Diozöse Bozen-Brixen. Deren Hirte Wilhelm Egger hat nach seiner Ernennung zum Bischof einen Ladinisch-Kurs besucht. Alle großen Messfeieren im Land sind so dreisprachig: Deutsch, Italienisch, Ladinisch; bei allen wichtigen Gelegenheiten spricht Egger in der Öffentlichkeit auch Ladinisch. Und als der Herr Bischof von Belluno Ladinisch untersagte, sprach der Papst in Brixen und in Oies ladinische Worte.  Es war dies seitens des Oberhauptes der Katholischen Kirche ein Zeichen des Respektes für diese Sprache und Kultur, ein Zeichen auch des guten Willens: Der deutsche Ratzinger (der keinen Ladinisch-Kurs belegt hat) machte sich die Mühe, eine Botschaft an die ladinischen Gläubigen auf Ladinisch zu sprechen.

Dass Ladinisch nicht anerkannt sein soll, ist also ein Märchen des Bischofs von Belluno. Soll er sich informieren, bevor er so einen lächerlichen Schwachsinn verzapft. Soll er wenigstens das zur Kenntnis nehmen, was das Oberhaupt der Katholischen Kirche beschließt und in der Öffentlichkeit zeigt: dass Ladinische sehr wohl anerkannt ist und seinen Platz in der Liturgie hat. Punkt. Aber der Bischof von Belluno weiß es ja besser als der Papst. Und beschließt Sprachverbote.

Ignoranz, Arroganz, Intoleranz, Nationalismus: diese Begriffe  muss man fortan mit dem Namen des Bischofs Andrich verbinden wird. Sprachverbot – gegen die Prinzipien des II. Vaticanum und gegen die Anerkennung der Sprache durch den Papst, die Diozöse Bozen-Brixen.

Selbst wenn dem Herrn Andrich nicht zu Ohren gekommen sein sollten, dass Benedikt XVI. auch Ladinisch gesprochen hat, so hat doch schon Jahre vorrher Johannes Paul II. auch Ladinisch gesprochen. Der Herr Andrich weiß nichts davon? Bevor man bei einer Messfeier ein Sprachverbot erteilt. Tat Andrich offenbar nicht, sondern setzte ein Zeichen, das seine Wurzeln in Nationalismus und Faschismus hat:

Sprachverbote gehören zu den Instrumenten des Faschismus.

Andrich hat gezeigt, dass er dieser Ideologie zuzuzählen ist.

(Quelle: La Usc di Ladins)

2 Antworten zu „ladinisch beten verboten“

  1. Brennerbasisdemokratie. » Blog Archiv » Zensiertes Vater Unser. sagt:

    [...] Siehe auch: [1] [...]

  2. ladinia sagt:

    Andere Artikel zum Thema:

    http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=1245
    http://www.noeles.net/modules.php?name=News&file=article&sid=1713

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