Missbrauch der Religion

21. August 2008

Kröten(fresser)

Noch vor wenigen Wochen zog der Schützenbund gegen den berühmten Frosch mit einer Wortwahl zu Felde, die an unseligen Zeiten erinnerte. „Unwerk“ und derlei mehr stand da zu lesen, die hellste Empörung, versteht sich, denn natürlich ist der Frosch eine Beleidigung der Religion.  Denn die Schützen verteidigen, siehe da, nicht nur das Deutschtum in der Welt, sondern auch das Christentum. Fragt sich welche Art von „Christentum“. Das Christentum der Evangelien sicher nicht. Das Christentum zu einer Religion nationalistischer Überheblichkeit umzudeuten, ist eine schwerwiegende Manipulation. Im Forum der Schützen – um diese besondere Variante des „Christentums“ zu verdeutlichen – gab es viele Postings, die ein italienerfreies Südtirol herbeiredeten; die Postings wurden nicht gelöscht. Gelöscht wurden aber die italienischen Postings von étranger (wie um einen Vorgeschmack zu geben: wir sind italienisch-frei).

Wehe ein grüner Frosch mit einem uralten Symbol der Menschheit steht im Museum, das ist Beleidigung der religiösen Gefühle. Selbst hat man eigene Maßstäbe. Die Dornenkrone ist der politische Missbrauch von religiösen Symbolen. Missbrauch der Religion hatte man in der Geschichte genug (genauso wie den Missbrauch der Politik durch die Religion). Solch ein politischer Missbrauch der Religion (noch dazu für eine nationalistische Ideologie) durch Hass predigende Vereine: das ist die Beleidigung der Religion. Das selbst ernannte Christentum eines Vereines, der Revisionisten für die Weiter- oder Ausbildung holt, ist in höchstem Maße verdächtig. Solche „Christen“ beleidigen das Christentum, der politische Missbrauch eines religiösen Symbols beleidigt das Christentum. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist: So hat sich Jesus allen Versuchen, sein Wirken politisch zu deuten und zu missbrauchen, widersetzt. Die Schützen wissen es freilich besser als Jesus. Und missbrauchen das Symbol des Leidens des Gottessohnes – laut christlichem Dogma – für ihre niedere Weltsicht, in der nur deutsche Menschen auch gute Menschen sind.

Im übrigen neigen alle totalitären Systeme und Ideologien dazu, ihren Symbolen einen sakralen Charakter geben. Es gibt natürlich auch solche, die gleich religiöse Symbole zu den ihren machen. Beides ist gleichermaßen abzulehnen. Kategorisch, unmissverständlich.

Quelle: http://www.stol.it/nachrichten/artikel.asp?KatID=fa&p=5&ArtID=122546&SID=12852948751112219453


Ach Luis

13. August 2008

In Pfalzen ging wieder das übliche Ritual über die Bühne: der Landeshauptmann predigt, die Jouranlisten hören andächtig zu und geben unkritisch wieder.  Ein Unterwürfigkeitsritual, das auch seine unfreiwillig komischen Seiten hat.

Nun, bei diesem Empfang hat Luis Durnwalder wieder groß über die Ladiner geredet.

So über die „Kunstsprache“. Ja, von Sprache versteht Durnwalder nicht viel, nicht von der deutschen, schon gar nicht von der ladinischen. Das Ladin standard ist keine Kunstsprache, sondern die Schriftsprache, also jene Form, um die er sich im Deutschen mit so wenig Erfolg bemüht. „Kunstsprache“ nennen seit Jahren die Hardliner aus Gröden die Schriftsprache, die sie verhindern.

Durnwalder übernimmt also die Terminologie von verkrampften Ladinerhassern, die alles tun, damit das Ladinische nicht überlebt. In der Tat: diese Hardliner, die „Stahlhelmfraktion“, wie sie der ehemalige FF-Chefredakteur Peterlini genannt hat, sind gegen das Ladin standard – angeblich um das Ladinische zu schützen -, sind aber auch gegen Ladinisch in der Schule. Damit ist ja alles gesagt: Es ist der Wille zur Assimilierung.

Luis Durnwalder versteht nichts von Sprache und übernimmt so eine Terminologie von strammen Rechten in seiner Partei (Ladiner, die am liebsten Deutsche wären und aus ihrem Minderwertigkeitskomplex die Paramter ihrer Politik ableiten).  Doch Durnwalder hat auch ein schwaches Gedächtnis.

Das mit dem Ladin standard etc. müssten die Ladiner selbst entscheiden, sagt Durnwalder (wobei er die Ladiner außerhalb Südtirols ausschloss) und verschweigt, dass seine Landesregierung per Dekret den Gebrauch des Ladin standard in der öffentlichen Verwaltung untersagt hat.


ladinisch beten verboten

12. August 2008

Bischof von Belluno Giuseppe Andrich in den Fußstapfen des Faschismus

Das muss man sich zunächst einmal vorstellen, das muss man erst einmal verstehen, begreifen, nachvollziehen, was auch immer:
Wir schreiben das Jahr 2008 unseres Herrn: Ein Bischof untersagt es den Gläubigen, bei einer Messfeier ein Lied in ihrer Muttersprache zu singen.

Geschehen in Fodom, in den ersten Augusttagen (des Jahres 2008 eben, nicht 1928); der Bischof der Diozöse / Provinz Giuseppe Andrich untersagte dem Coro Fodom, das „Vater unser / Nost Pere al ciel“ auf Ladinisch zu singen. Pikantes Detail: Dieses Verbot ließ er gerade auf dem Col di Lana bei einer Gedenkveranstaltung zum Ende des 1. Weltkrieges – ein Krieg, in dem die ladinische Bevölkerung von Fodom zwischen die Fronten geriet und viele unschuldige Opfer zu beklagen hatte.

Die Begründung ist so banal wie gelogen. Der Bischof hatte als Grund angegeben, die Sprache solle offiziell anerkannt sein. Ist die Sprache längst, so durch das staatliche Minderheitenschutzgesetz; vor allem aber durch die Diozöse Bozen-Brixen. Deren Hirte Wilhelm Egger hat nach seiner Ernennung zum Bischof einen Ladinisch-Kurs besucht. Alle großen Messfeieren im Land sind so dreisprachig: Deutsch, Italienisch, Ladinisch; bei allen wichtigen Gelegenheiten spricht Egger in der Öffentlichkeit auch Ladinisch. Und als der Herr Bischof von Belluno Ladinisch untersagte, sprach der Papst in Brixen und in Oies ladinische Worte.  Es war dies seitens des Oberhauptes der Katholischen Kirche ein Zeichen des Respektes für diese Sprache und Kultur, ein Zeichen auch des guten Willens: Der deutsche Ratzinger (der keinen Ladinisch-Kurs belegt hat) machte sich die Mühe, eine Botschaft an die ladinischen Gläubigen auf Ladinisch zu sprechen.

Dass Ladinisch nicht anerkannt sein soll, ist also ein Märchen des Bischofs von Belluno. Soll er sich informieren, bevor er so einen lächerlichen Schwachsinn verzapft. Soll er wenigstens das zur Kenntnis nehmen, was das Oberhaupt der Katholischen Kirche beschließt und in der Öffentlichkeit zeigt: dass Ladinische sehr wohl anerkannt ist und seinen Platz in der Liturgie hat. Punkt. Aber der Bischof von Belluno weiß es ja besser als der Papst. Und beschließt Sprachverbote.

Ignoranz, Arroganz, Intoleranz, Nationalismus: diese Begriffe  muss man fortan mit dem Namen des Bischofs Andrich verbinden wird. Sprachverbot – gegen die Prinzipien des II. Vaticanum und gegen die Anerkennung der Sprache durch den Papst, die Diozöse Bozen-Brixen.

Selbst wenn dem Herrn Andrich nicht zu Ohren gekommen sein sollten, dass Benedikt XVI. auch Ladinisch gesprochen hat, so hat doch schon Jahre vorrher Johannes Paul II. auch Ladinisch gesprochen. Der Herr Andrich weiß nichts davon? Bevor man bei einer Messfeier ein Sprachverbot erteilt. Tat Andrich offenbar nicht, sondern setzte ein Zeichen, das seine Wurzeln in Nationalismus und Faschismus hat:

Sprachverbote gehören zu den Instrumenten des Faschismus.

Andrich hat gezeigt, dass er dieser Ideologie zuzuzählen ist.

(Quelle: La Usc di Ladins)